MIETER HELFEN MIETERN
Frankfurt e.V.

Frankfurter Rundschau vom 09.12.2010, Claus-Jürgen Göpfert

Frankfurt

THEMA DES TAGES / David mietet bei Goliath - Verdruss und Ärger sind absehbar, und ins Schleudern kommt der Mieter. Goliath ist in dem Fall die Annington, Deutschlands größtes Immobilien-Unternehmen. Doch nicht nur im Frankfurter Westen hakt´s. Auch die Mieter der NH sind nicht immer glücklich über deren Gebaren.

Ab in die Hütte
Rüder Umgang bei der Nassauischen Heimstätte

Noch heute, einige Tage nach der Begegnung, ist Katharina K. empört. Die 63-Jährige, die beim Caritas-Verband in Frankfurt arbeitet, hatte überraschend Besuch von ihrem Vermieter bekommen: Gleich vier Vertreter des Wohnungsunternehmens Nassauische Heimstätte (NH). Das Quartett kündigte an, die Wohnung werde im Sommer 2011 totalsaniert: Neues Bad, Küche, Toilette, Balkon und Böden. "Die sind in ziemlich rüdem Ton aufgetreten", erinnert sich K. Als sich die chronisch kranke, zu 100 Prozent schwerbehinderte Frau erkundigte, wo sie denn während der fünfwöchigen Sanierung leben solle, habe sie zu hören bekommen: "Es ist ja Sommer - ziehen Sie doch in eine Gartenhütte!"

"Das war schon sehr unverschämt", sagt die Mieterin. "Ich komme schon jetzt kaum die Treppe hoch in den zweiten Stock - und dann muss ich mir sowas anhören." Auch auf die Frage, was denn mit ihren drei Katzen dann geschehen solle, habe sie keine Antwort erhalten.

Eine Szene aus dem Haus Langobardenweg 5 im Stadtteil Höchst. Wohnblocks aus dem Jahr 1957, dringende Sanierungsfälle. Der Wortwechsel zwischen K. und den Heimstätte-Mitarbeitern zeigt ein allzu häufiges Problem auf: Wohin mit den Menschen, wenn eine Totalsanierung ihrer Wohnungen ansteht?

Für Jens Duffner ist die Sache klar. "Wir haben keine Leerstände zum Ausweichen - wir sind voll vermietet", sagt der Sprecher der Heimstätte. Er gibt zu: "So eine Totalsanierung ist für die Mieter nicht einfach, das ist Stress - aber sie müssen durchhalten." Insgesamt gehe es um 63 Wohnungen am Langobardenweg, die im Sommer 2011 umgestaltet werden sollten. Da Katharina K. die Namen ihrer Besucher notiert hat, kann Duffner mit den vier Kollegen Rücksprache halten. Den rüden Ton und die Gartenhütte vermag er nicht zu bestätigen. Im Gegenzug erfährt er von dem Quartett, dass "ein Mieter wenig kooperativ war".

Die NH verspricht, während der fünf Wochen einen "Sanitärcontainer" im Langobardenweg aufzubauen - mit Duschen, Waschbecken, Toiletten. Außerdem, so Duffner, ließen sich immer Toiletten in Wohnungen nutzen, die noch nicht entkernt seien. "Nur in ganz seltenen Fällen" biete das Unternehmen "die Umsetzung ins Hotel" an - für Mütter mit kleinen Kindern.

Vermietungsstopp im Viertel

Die städtische Wohnungs-Holding verfährt nicht so streng. "Es kommt darauf an, wie tief wir in die Substanz der Wohnung eingreifen", sagt deren Chef Frank Junker. Bei Totalsanierungen biete man den Betroffenen immer "andere Wohnungen im Quartier" an. Für Platz sorge der Konzern "durch einen vorherigen Vermietungsstopp im Viertel".

Für den Verein "Mieter helfen Mietern" ist die Sache klar. "Wenn die Wohnung unbewohnbar wird, hat der Mieter Anrecht auf eine Ersatzwohnung", sagt Vereinschef Jürgen Lutz. Im Jahre 2000 habe die Nassauische Heimstätte in einem ähnlichen Fall der Totalsanierung in Zeilsheim "auf großen Druck der Mieter" nachgegeben und Ersatzwohnungen zur Verfügung gestellt.

Lutz rät den Betroffenen, in jedem Fall Ersatzwohnraum zu verlangen. "Eine Möglichkeit ist auch, einen Vorschuss für ein Hotelzimmer zu fordern."