MIETER HELFEN MIETERN
Frankfurt e.V.

Frankfurter Neue Presse vom 25.11.2010, Denise Klug

Frankfurt
Vertretung soll die Bewohner regelmäßig informieren, doch die bestehende Initiative sieht Probleme

Mieterbeiräte für das Mainfeld

Damit es mit der Kommunikation besser klappt, hat die ABG Holding in der Niederräder Wohnsiedlung Mainfeld Mieterbeiräte wählen lassen. Diese sind jedoch umstritten.

Niederrad. In der Hochhaussiedlung «Im Mainfeld» gibt es schon seit längerem großen Aufruhr: Die ABG Holding, Eigentümerin von sieben Häusern, denkt über einen Abriss oder Rückbau nach (wir berichteten). Viele der Mieter sind dagegen, sie fordern eine Sanierung, möchten in ihrem gewohnten Umfeld bleiben. Neue Mieterbeiräte sollen die Wogen glätten, doch der Plan ruft neue Probleme hervor.
«Die Maßnahmen nehmen wir ja nicht von heute auf morgen vor», will ABG-Chef Frank Junker beruhigen. «Es werden keine Bauarbeiter klingeln und die Leute aus ihren Wohnungen jagen.» Der Stand der Dinge sei noch relativ offen, bisher gebe es keinen Bebauungsplan. «Erst muss sich die Stadt entscheiden, dann folgt die Umsetzung – und die wird zehn bis 15 Jahre dauern.» Über die Mieterbeiräte möchte er den Kontakt zu den Bewohnern aufrecht erhalten und sie über den Fortgang informieren.
Bisher hat sich eine Mieterinitiative um die Belange der Bewohner gekümmert. Sie war besonders eifrig im Kampf um den Erhalt der Bauten aus den späten 60er Jahren. In den neuen Beiräten ist kein Mitglied der Initiative vertreten, weil sie sich geweigert hatten, zu kandidieren. «Wir wollen unabhängig vom Vermieter bleiben», betont Gerhard Kampschulte, Sprecher der Initiative. Zudem seien die Wahlen nicht demokratisch abgelaufen. Dem widerspricht Junker: «Das Verfahren war hoch demokratisch.» Gerhard Kampschulte versteht aber nicht, warum überhaupt neue Beiräte nötig waren, denn die Initiative bestehe aus Vertretern aller sieben Hochhäuser.

Kleinere Teams

Darauf wurde auch bei den neuen Beiräten Wert gelegt, jeder Komplex hat seinen eigenen. «Denn in den verschiedenen Häusern gibt es auch verschiedene Probleme», sagt Junker. «Außerdem können wir so durch das kleinere Team mit den Mietern besser in Kontakt treten.»
«Um Informationen zu verteilen, ist das sicher gut», stimmt Jürgen Lutz zu. Er ist Sprecher des Vereins «Mieter helfen Mietern» in Frankfurt. «Ich vermute jedoch, dass so eine Gegenstimme zur Mieterinitiative geschaffen werden sollte, die tendenziell im Sinne der ABG spricht.» Die verschiedenen Beiräte in den einzelnen Häusern seien ihm suspekt. «Das ist für mich ein völlig außergewöhnliches Delegierten-System.» Als ob jeder Block einen eigenen Stadtverordneten stellen würde.
Die Wahl war am 10. November, bis heute habe es keinen Aushang gegeben, der die Mieter darüber informiere, wer in den neuen Beiräten sitze. «Wir werden öfter angerufen und gefragt, wie die Ergebnisse sind», sagt Gerhard Kampschulte. «Denn die Leute bringen uns automatisch damit in Verbindung.

Auf Anfrage der FNP teilte uns die ABG die Namen der Mitglieder der Mieterbeiräte mit. Pro Haus (das Altenwohnheim ausgeschlossen) gibt es zwei bis vier Vertreter, zwei Ehepaare sind mit dabei. Bei einigen von ihnen heißt es, sie könnten schlecht Deutsch.
Mit auf der Liste steht Wolfgang Ernst aus der Nummer 5. «Eine Satzung habe ich bis jetzt noch nicht bekommen», sagt er. «Ich weiß auch noch gar nicht, was ich machen soll und ob ich das überhaupt kann.» Streitigkeiten in der Siedlung, die von vielen früher als sozialer Brennpunkt bezeichnet wurde, zu schlichten, traut er sich nicht zu. «Die Situation hat sich zwar gebessert, aber ich bin 72 Jahre alt.»

Treffen in Griesheim

Die ABG hat ihn zu einer Versammlung in die Waldschulstraße eingeladen. «Ich sehe es nicht ein, bis nach Griesheim zu fahren. Hier im Mainfeld haben wir genügend Räumlichkeiten», sagt er. «Ich bin zwar noch relativ fit, aber andere können nicht dorthin kommen.»
Die zwei anderen Personen aus seinem Haus, Ilhan Güresen und Josipa Kasic, kennt er nicht. «Ich bin nicht gegen die ABG und auch nicht dafür, aber im Zweifelsfall stehe ich natürlich für die Mieter ein», erklärt Wolfgang Ernst. Aus diesem Grund habe er sich auch in den Mieterbeirat wählen lassen, um die Interessen der anderen zu vertreten. «Ich wurde gefragt, und da habe ich ’ja, gesagt.»

Mit freundlicher Genehmigung der Frankfurter Neuen Presse