MIETER HELFEN MIETERN
Frankfurt e.V.

Frankfurter Rundschau vom 10.02.2010, Jutta Ochs

Frankfurt
Ohne Murren
Mietervereine fordern die Frankfurter auf, an der großen
Befragung für den Mietspiegel teilzunehmen

Da ruft wer an, bittet im Namen der Stadt um ein Interviewtermin wegen "irgendetwas mit der Wohnung" und dem Frankfurter Mieter ist das "ganz schön lästig" - wieder verschwendete Lebenszeit, murren aktuell einige Betroffene. Davon könne aber überhaupt keine Rede sein, halten jetzt der Mieterschutzverein Frankfurt und der Verein Mieter helfen Mietern massiv dagegen. Beide bitten "dringend die Frankfurter Mieter", an der großen Befragung teilzunehmen. Die ist von Bedeutung für alle Mieter in der Stadt. Es geht um den neuen Mietspiegel, der die Realität der gezahlten Mieten in der Stadt abbilden soll. Für den Spiegel werden Daten gesammelt zu Größe, Alter, Ausstattung und zum energetischen Standard der Wohnung. Insgesamt 3500 Wohnungsinhaber sollen befragt werden. Alles wird anonymisiert, versichern die Mietervereine.

So viel Daten wie dieses Mal wurden noch nie für einen Mietspiegel gesammelt. Nach den Mietern sind dann die Vermieter mit der Befragung dran. Das ist ebenso neu wie die Fragen nach Heizung und Dämmung. Erstmals sollen energetische Kriterien Eingang in einen Mietspiegel finden.

Von der Stadt entsandte Mitarbeiter des Instituts Foerster und Thelen führen die Interviews. Alle können sich ausweisen, darauf weisen die Mietervereine und Planungs- und Wohnungsdezernent Edwin Schwarz (CDU) hin. Die beiden Mieterschutzvereine sind die Interessensvertretung der Mieter in der Mietspiegelkommission. In dieser erarbeiten sie gemeinsam mit den Vertretern der Eigentümer sowie des städtischen Wohnungsdezernates die Kriterien für den neuen Mietspiegel. Diese waren in der Vergangenheit heftig umstritten. Der aktuelle Mietspiegel 2008 ist zwar rechtsgültig und
verbindlich, die Eigentümer aber haben ihm erstmals nicht zugestimmt. Hauptkritikpunkt war die Reduzierung der Baualtersklassen von acht auf vier. Das hatte auch eine Reduzierung der Grundmiete zur Folge.

Ein neues Institut begleitet jetzt die Kommission. Die Zusammenarbeit wird von allen Seiten nun wieder als "vertrauensvoll" bezeichnet. Ziel ist es, im Herbst den neuen Mietspiegel vorlegen zu können. Voraussetzung dafür aber
ist auch, dass die Mieter bei der Befragung mitmachen.

PREIS DES WOHNENS

Im Mietspiegel wird die so genannte ortsübliche Vergleichsmiete für Wohnungen in Frankfurt festgelegt. Die richtet sich nach Baualter, Größe,
Ausstattung und seit neuestem auch nach dem Energiebedarf.
Eine Basisnettomiete wird zuerst errechnet. Die ergibt sich nach Alter und Größe. Die Mietspiegelkommission legt Tabellen fest. Deren Werte
gründen auf den gesammelten Daten. Danach können Zu- und Abschläge beispielsweise für Balkon oder Leitungen über Putz berechnet werden.
Diese orientieren sich ebenfalls an den ermittelten Daten. ox

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