MIETER HELFEN MIETERN
Frankfurt e.V.

Frankfurter Neue Presse, 23.05.2009, Andreas Haupt

Frankfurt

Schimmelpilz nervt Mieter

Die Wohnungsbaugesellschaft nennt den Zustand ganz natürlich, da viele Häuser im Riederwald aus den Anfängen des 20. Jahrhunderts stammten. Da sei Isolierung noch kein Thema gewesen.

Riederwald. Mehrere Umzugskartons mit seinem Hab und Gut musste Detlef Bernhardt schon wegwerfen. Ebenso ein Bett, das er samt Kissen nach dem Umzug in die Motzstraße 11 im Keller deponiert hatte. Nach starken Regenfällen sei Wasser in den Keller eingedrungen, sagt der 49-Jährige. Monate später bildete sich Schimmel an den Wänden, ebenso an den eingelagerten Sachen: «Nach vier Monaten war alles vermodert.» Das darf nicht sein, findet Bernhardt, und minderte die Miete. Seine Vermieterin, die ABG Frankfurt Holding, jedoch wollte davon nichts wissen. Sie schickte Mahnungen wegen Mietrückstands, zog vors Amtsgericht.

Fahrradreifen moderten
«Viele Keller von Häusern im Riederwald, die so alt sind, sind feucht. Das weiß man, und das ist nicht zu ändern», begründet Geschäftsführer Frank Junker. Bis März 2007 habe er in einem Hochhaus der ABG gewohnt, erzählt Bernhardt. Dann zog er 70 Meter weiter in die Motzstraße. «Hier fingen sogar die Reifen meines Fahrrades an zu modern.»

Bei einer Besichtigung der Wohnung hätten ABG-Mitarbeiter ihm sogar den Keller gezeigt. «Er war frisch saniert, trocken und sah bis auf einen schwarzen Fleck gut aus», erinnert sich Bernhardt. Der Mitarbeiter habe den Flecken zwar als alt bezeichnet, jetzt gebe es aber keine Probleme mehr.

Weit gefehlt. Mit den Unwettern stellte sich das Problem ein: zunächst im Herbst 2007, zum zweiten Mal Ende Mai 2008. «Nach dem Regen bildeten sich Pfützen im Keller, alles war nass. Das Wasser drang durch die Wände in den Keller.»

Er bat die mietrechtliche Beratungsstelle der städtischen Bauaufsicht, sich den Keller anzuschauen. Die habe bestätigt, dass der Schaden behandelt werden müsse, sagt Bernhardt. «Sie erlegte der ABG auf, den Putz abzuschlagen, um den Schimmel zu entfernen. Das ist auch passiert.» Anfangs habe es so ausgesehen, als wolle die ABG sich des Problems nun gezielter annehmen. «Doch es passierte gar nichts.» Nachdem der Putz abgenommen worden sei, sei nichts gegen die Feuchtigkeit und den Schimmel unternommen worden.

Schon im Januar 2008 war Bernhardt dazu übergegangen, die Miete zu mindern. Zuerst um ein, später um fünf Prozent. «Den Keller habe ich ja mitgemietet. Benutzen kann ich ihn aber nicht.»

Das jedoch will die ABG nicht akzeptieren. «Das Gebäude stammt, wie viele im Riederwald, aus den 1930er Jahren. Damals wurde anders gebaut und isoliert als heute. Da sind die Keller nun mal feucht», sagt Junker. So etwas gebe es überall in Deutschland. Hochhäuser aus den 60er und 70er Jahren wie das, in dem Bernhardt vorher gewohnt habe, seien ganz anders gebaut. «Da sind die Keller trocken.»

Keller wird nicht isoliert
Was Bernhardt jedoch nicht versteht: «Unser Haus wurde saniert. Doch anders als in der Motzstraße 1-10, wo der ganze Keller bei der Sanierung isoliert wurde, wurde unser Keller nicht vollständig behandelt.» Das Nachbarhaus sei nur isoliert worden, weil dort für Kanalarbeiten sowieso tief ausgeschachtet werden musste, erklärt Junker. «Da haben wir die Gelegenheit genutzt.» Nur für eine Isolierung das Haus rundherum auszuschachten, sei viel zu teuer und werde daher nicht gemacht.

«Was ist, wenn der Schimmel in die Wohnungen raufzieht?», fragt Bernhardt. Junker ist überzeugt, dass das nicht passieren werde. Jürgen Lutz vom Verein «Mieter helfen Mietern», dessen Anwälte Bernhardt im Prozess vertreten, glaubt nicht, dass Bernhardt den nassen Keller akzeptieren muss. «Es stimmt zwar, dass es im Riederwald viele feuchte Keller gibt. Die meisten sind aber trocken. Und bei Herrn Bernhardt im Haus ist es besonders schlimm.»

Mit freundlicher Genehmigung der Frankfurter Neuen Presse