MIETER HELFEN MIETERN
Frankfurt e.V.

Frankfurter Rundschau, 23.05.2009, Andreas Müller

Schimmel auf allen Ebenen

Der Unmut von Mietern im Riederwald über feuchte Keller und Wohnungen sowie über verschimmelte Räume ist groß. "Man lässt uns im Regen stehen. Ich bezahle umgerechnet 800 D-Mark Miete und kann den Keller nicht nutzen", schimpft Detlef Bernhard. Der 49-Jährige, seit fünf Jahren im Riederwald zu Hause, durchlebt seit seinem Umzug aus der Raiffeisenstraße in das Haus Motzstraße 11 vor zwei Jahren eine wahre Leidensgeschichte.

Die ABG-Holding habe ihm einen komplett falschen Eindruck vom Zustand seines Kellers in dem damals frisch sanierten Gebäude vermittelt. Als der große Regen kam, brach sich das Wasser mehrfach durch die Außenwände Bahn Bernhard spricht von "Schimmel ohne Ende". Das zwischengelagerte Mobiliar aus der früheren Wohnung konnte er nur noch auf den Müll werfen. Um die Liste der kleineren Mängel wie ein defektes Küchenfenster oder abgeplatzte Emaille an der Badewanne kümmerten sich zwar von der ABG bestellte Handwerker. Als der Vermieter riet, Bernhard hätte doch all die bedrohten Gegenstände schnell aus dem Keller in die Wohnung holen können, platzte dem der Kragen: Ab März 2008 minderte er seine Miete zunächst um einen winzigen Betrag.

Inzwischen überweist er monatlich 17,80 Euro weniger, das entspricht etwas fünf Prozent der Kaltmiete. Die Reaktion der ABG folgte auf dem Fuße. Erst hagelte es Mahnungen. Seit Februar klagt das städtische Wohnungsunternehmen gegen Detlef Bernhard wegen seiner "Mietrückstände" vor dem Frankfurter Amtsgericht.

Näheres über den Verein
"Mieter helfen Mietern" ist im Internet unter www.mhm-ffm.de zu finden.

Ähnliches könnte demnächst auf eine Mieterin in der Karl-Marx-Straße 64 zukommen, die wegen unhaltbarer Zustände seit Mai vorigen Jahres ihre Miete minderte und bereits die zweite Mahnung erhielt. In der Sache selbst, wegen der Pfützen auf dem Dachboden und des Schimmels in ihrer Wohnung im zweiten Stock, habe sie von der ABG "seit einem Jahr nichts gehört". Von ähnlich unangenehmen Erfahrungen berichten Bewohner aus der Karl-Marx-Straße 42 und 53, aus der Motzstraße 23 oder aus der Friedrich-Liszt-Straße 60..

Mieterverein sieht "Kosmetik"

Jürgen Lutz vom Verein "Mieter helfen Mietern" berichtet, dass allein dort in jedem Winter rund neue 50 Beschwerden bekannt würden - keinesfalls nur aus dem Riederwald oder von ABG-Mietern. Es falle immer wieder auf, dass in Fällen wie dem von Detlef Bernhard kaum etwas unternommen werde, um das Übel bei der Wurzel zu packen. Dies sei offenbar zu teuer. "Die Vermieter werden oft mit untauglichen Mitteln aktiv", weiß Lutz von den Versuchen, mit "Billiglösungen" und "Kosmetik" davonzukommen. Oft erledige sich das Problem von selbst, indem die Mieter entweder selbst nach Kräften gegen die Schäden kämpfen oder einfach wegziehen.

ABG-Geschäftsführer Frank Junker weist daraufhin, dass Keller offiziell unter die Kategorie "kostenfreies Zubehör" fallen und für diese Räume entsprechend gar keine Miete erhoben wird. Bei älteren Häusern wie im Riederwald müsse damit gerechnet werden, dass Keller bei Regen feucht werden können. "Das ist auch in Hamburg oder Berlin so." Dies bedeute jedoch keine Gefährdung für die Bausubstanz.

Nachdem im Riederwald aber Kritik wegen Schimmelbildung in oberen Stockwerken geäußert wurde, regte Junker eine spezielle Informationsveranstaltung für die ABG-Mieter im Stadtteil an. Dabei sollen die Probleme sachlich erörtert werden - beide Parteien an einen Tisch zu setzen, sei "das beste Mittel, um Zwietracht zu verhindern".