MIETER HELFEN MIETERN
Frankfurt e.V.

Frankfurter Rundschau, 17.05.2008, Jan Szyszka

Im Kessel kocht’s
Sachsenhausen Anwohner des Sonnenrings nehmen überhöhte Energiekosten nicht länger hin

Eigentlich kann Ralf Schubert mit seiner Wohnung an der Mailänder Straße zufrieden sein. 130 Quadratmeter mit Balkon sind seit fünf Jahren sein Eigen. Seitdem ärgert sich der im Rechenzentrum des Flughafens arbeitende IT-Experte regelmäßig - wenn die Jahreskostenabrechnung der Mainova kommt und Schubert die Details prüft. "Abzocke im großen Stil" nennt er das Vorgehen des Energieunternehmens. Schubert glaubt, dass er wie die rund 300 Anwohner der 70er-Jahre-Wohnanlage im sogenannten Sonnenring jeweils mehrere Hundert Euro pro Jahr zu viel für die Energie zahlen, weil die Mainova zu viel abrechnet. "Und dabei habe ich für fast 10 000 Euro die Heizkörper austauschen lassen", klagt Schubert. 18 Prozent überm Schnitt Gestützt wird seine Ansicht von Jürgen Lutz vom Verein Mieter helfen Mieter. Zwar sei ein erhöhter Preis für Fernwärme, wie sie an der Mailänder Straße abgerechnet werde, "grundsätzlich üblich." Dennoch äußert der Experte Kritik: Inklusive aller Kosten liege der Preis mehr als 18 Prozent höher als der Frankfurter Durchschnittspreis für Fernwärme. "Mir erscheint das deutlich zu hoch", sagt Lutz, der deswegen Schubert gute Chancen in einem möglichen Gerichtsverfahren einräumt. Die Mainova sieht das anders. Sprecher Frank Senger räumt ein, dass die Preise für Fernwärme in Frankfurt vom jeweiligen Kraftwerk abhängig sind. Im Falle des Sonnenrings ist dies das Heizkraftwerk auf dem Dach des
Holiday-Inn-Hotels an der Mailänder Straße. Baukosten der Anlage wie Wartungskosten wirkten sich direkt auf den Preis aus, sagt Senger. "Je größer die
Anlage ist, desto höher sind die Preise - ein ganz normales Procedere." Den Einwand, dass die Anwohner damit auch fürs angeschlossene Hotel und seine 439 Zimmer mitzahlen, will Senger nicht gelten lassen. "Letztendlich ist das immer so. Ob am Flughafen oder im Gewerbegebiet - die Kosten werden umgerechnet und das ist völlig normal." Ralf Schubert ist rechtsschutzversichert und will es "im Zweifelsfall drauf
ankommen lassen." Zusätzlich motiviert ihn dazu die Art, wie die Mainova mit seinen Beschwerden umgeht. Aufsichtsräte halten sich raus. Mal blieben seine Briefe, die schon einen ganzen Aktenordner füllen, unbeachtet, mal verwies man auf Datenschutz und verweigerte die Auskunft - obwohl Schubert dem Verwaltungsbeirat der Wohnanlage Mailänder Straße angehört. "Taschenspielertricks" nennt Schubert das Verhalten, was auch Experte Lutz verurteilt. "Die Daten müssen offengelegt werden - ansonsten ist das ein Klagegrund." Auch die Büros von OB Roth und Stadtkämmerer Uwe Becker - beide im Aufsichtsrat der Mainova - ignorierten Schuberts Anfragen. Sie wollten sich in das operative Geschäft der Mainova nicht einmischen. Für Schubert die größte Ohrfeige: "Da geht es womöglich um mehrere Zehntausend Euro, die die Mainova jährlich zu viel kassiert und die Stadt sagt, es interessiert sie nicht. Wofür sitzen sie denn im Aufsichtsrat?"

Autor: Jan Szyszka