MIETER HELFEN MIETERN
Frankfurt e.V.

Frankfurter Neue Presse vom 21.12.2011

Verein „Mieter helfen Mietern“ kritisiert ABG wegen mangelhafter Planung

Wohnheim steht zu lange leer
Der Verein "Mieter helfen Mietern" kritisiert den jahrelangen Leerstand des früheren Schwesternwohnheims in der Sandhofstraße.

Im Frühjahr besetzten Lothar Reininger und einige Mitglieder der Linkspartei das einstige Schwesternwohnheim.
Foto: Weis

Niederrad. Im Frühjahr besetzten Lothar Reininger und einige Mitglieder der Linkspartei das einstige Schwesternwohnheim. Foto: Weis
Seit fast vier Jahren wartet das ehemalige Schwesternwohnheim der Uni-Klinik in der Sandhofstraße 3 bis 5 auf neue Bewohner oder eine neue Nutzung. Nachdem 25 Mitglieder der Linken das Gebäude im Frühjahr symbolisch besetzt hatten, um auf den Missstand aufmerksam zu machen, verkündete ABG-Chef Frank Junker vor gut einem Monat, das Gebäude in ein Studentenwohnheim umwandeln zu wollen (wir berichteten). Die Einigung über den Rückkauf vom Land Hessen stehe kurz bevor, hieß es damals.

Doch nun beklagt der Verein "Mieter helfen Mieter", dass die 220 Apartments für Frankfurter Verhältnisse viel zu lange ungenutzt blieben. "Uns drängt sich der Eindruck auf, dass der lange Leerstand durch schlechte Planung und zurückgestellte Entscheidungen verursacht wurde", heißt es in einer öffentlichen Stellungnahme des Mietervereins. Vor dem Hintergrund akuter Wohnungsknappheit hätte die städtische ABG sowie deren Tochter, die Wohnheim GmbH, die den Umbau stemmen will, nicht zügig genug gehandelt.

Erhebliche Mängel

Dabei warnte Junker bereits vor rund einem Monat, dass der geplante "Umbau nicht von heute auf morgen" erfolgen werde. Zu groß seien die brandschutztechnischen Defizite des veralteten Gebäudes. Auch aus diesem Grund sei eine Zwischennutzung, etwa als Obdachlosenunterkunft, nicht möglich gewesen.

Während Lothar Reininger von der Linkspartei mit der geplanten Umnutzung des Schwesternwohnheims "im Großen und Ganzen sehr zufrieden" ist, macht der Verein "Mieter helfen Mietern" geltend, dass bereits "im Anschluss an die Räumung Renovierungs- und Sanierungsarbeiten" erfolgt seien. Zudem sei die derzeitige Wohnungsnot sowie die aktuelle Mietkostenexplosion auf Versäumnisse aus der Vergangenheit zurückzuführen. Darüber hinaus habe die Landesregierung ein Wohnraumzweckentfremdungsgesetz vor sieben Jahren abgeschafft, obwohl "dieses Gesetz das Leerstehen-Lassen von Wohnraum" verhindert hätte.

Das Schwesternwohnheim an der Sandhofstraße ist für den Mieterverein nur eines von mehreren Beispielen für städtischen Wohnraum, der ohne ersichtlichen Grund ungenutzt vor sich hindümpelt. Eine Auflistung leerstehender Gebäude sei auf der Website www.leerstandsmelder.de/frankfurt hinterlegt.

Land war zu zögerlich

Im Fall des Wohnheims in der Sandhofstraße macht Frank Junker geltend, dass "inzwischen alles geklärt ist, was geklärt werden musste". Der jahrelange Leerstand habe aber nicht an der Wohnheim GmbH oder ABG gelegen, sondern daran, dass das Land über einen längeren Zeitraum nicht entschieden hat, wie das fragliche Gebäude in Zukunft zu nutzen sei. (mov)

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