MIETER HELFEN MIETERN
Frankfurt e.V.

Frankfurter Rundschau vom 20.09.2011, Iwa

WOHNPREISE

Mietwucher bringt Senioren auf die Palme
Aufzüge oder breite Türen gibt es in den wenigsten Häusern in Bornheim und dem Nordend. Für viele alte Menschen bedeutet dies den Wegzug - denn Barrierefreies Wohnen oder der Einbau eines Aufzugs haben ihren Preis.

In vielen Fällen nicht seniorentauglich: Altbauwohnungen in Bornheim oder im Nordend.
Foto: Rolf Oeser

Altbau, vierter Stock, kein Aufzug: Für alte Menschen oft ein unüberwindbares Hindernis, aber gerade in Bornheim und im Nordend häufig an der Tagesordnung. Ob und wie man als älterer Bürger in den Stadtteilen wohnen kann, darüber diskutierten Stadtpolitiker, Experten und rund 100 Bürger vor kurzem bei einer Veranstaltung des Jugend- und Sozialamtes, des Sozialrathauses Bornheim und des Arbeitskreises Altenarbeit Nordend/Bornheim.

„Alte Menschen wollen oft in ihrem Stadtteil bleiben“, weiß Alfred Weinrich vom Netzwerk Neue Nachbarschaft. Das ist nicht immer einfach, denn mit dem Alter ändern sich die Bedürfnisse. Aufzüge, breite Türen und barrierefreie Zugänge gibt es in den wenigsten Häusern in Bornheim und dem Nordend. Trotzdem muss man nicht gleich umziehen. „Oft sind schon kleine Dinge, die reichen“, sagt Christiane Dillmann von der ABG Holding. Etwa ein Haltegriff in der Dusche, ein Badewannenlift, die Wegnahme der Bodenschwellen und breitere Türen. Aus dem Publikum kommt der Vorschlag eines Treppenliftes. „Moderate Umbauten, die die Mieten nicht steigen lassen sind möglich“, weiß Elfi Kutzner vom Arbeitskreis Altenhilfe. Eine Anwohnerin berichtet von ihrem Vermieter, der einen Handwerkerservice organisiert hat. Doch nicht jeder hat so viel Glück.

Leuten nicht die Luft nehmen
Das Stadtgebiet ist nicht unendlich. Es kann nur begrenzt neu gebaut werden. „Wir können nachverdichten, aber nur ohne den Leuten die Luft zu nehmen“, sagt Damian Paris vom Stadtplanungsamt. Man sei immer auf der Suche nach neuen Wohngebieten. Doch die liegen nunmal nicht in der Innenstadt. Deshalb sind es vor allem die Bestandshäuser, die den wandelnden Bedürfnissen angepasst werden müssen.

Bewohnbar kann die Wohnung in einigen Fällen dank Umbauten bleiben, doch ob sie auch bezahlbar bleibt, ist eine andere Frage. Günstige Wohnungen sind rar und heiß begehrt. Der neue Mietspiegel, der für das Nordend einen Zuschlag von 1,87 Euro pro Quadratmeter ausweist, sorgt für Empörung. „Mietwucher“, „eine Unverschämtheit“ hallt es aus dem Publikum. Die Bürger fordern bezahlbaren Wohnraum. Paris verweist auf die Förderprogramme der Stadt. „Es gibt Programme für Familien und Senioren.“

„Die steigenden Mieten sind für viele alte Bewohner ein Problem“, sagt Jürgen Lutz vom Verein Mieter helfen Mietern, der eine Zunahme von Mietpreisüberhöhungen bestätigt. In diesem Fall hilft das Amt für Wohnungswesen. „Sprechen sie mit ihrem Vermieter und wenn das nichts nützt, mit dem Amt“, sagt Lutz.

In Zukunft kommt auch den Bürgern selbst eine wichtige Rolle zu. Private Netzwerkbildung gewinnt immer mehr an Bedeutung. „Wir können nicht mehr alles professionell machen lassen“, sagt Weinrich. Einige Modelle gibt es schon, Studenten die zu alten Menschen in die Wohnung ziehen, Leute, die gemeinsame Einkaufshilfen organisieren. Doch es reicht nicht. „Man müsste noch mehr machen“, sagt die ehemalige Ortsvorsteherin des Ortsbeirats 4, Hedi Tschierschke, die hier die Kommunalpolitik in der Pflicht sieht. (lwa.)



Alle Rechte vorbehalten - © Redaktionsarchiv M. DuMont Schauberg