MIETER HELFEN MIETERN
Frankfurt e.V.

Frankfurter Rundschau vom 15.09.2011, Claus-Jürgen Göpfert

FRANKFURT

Stadtteil im Wandel
Nicht erst seit dem Baubeginn für die neue EZB geht im Ostend der Geist der Gentrifizierung um. Die Mieten schießen weiter in die Höhe, der Preis für Eigentumswohnungen ist innerhalb eines Jahres um 20 Prozent gestiegen.

Woran lässt sich der gesellschaftliche Umbruch im Ostend festmachen?

Das einstmals jüdisch geprägte Arbeiterviertel wandelt sich immer mehr zum teuren Wohnquartier für Dienstleister. Nach dem „City Report“ von Corpus Sireo, einem der fünf größten Makler Deutschlands, stieg das Ostend im Jahre 2010 zum zweitteuersten Stadtteil Frankfurts auf, verdrängte das Nordend auf Platz drei. An der Spitze blieb das Westend.

Mit welchen Mieten und Preisen für Eigentumswohnungen ist zu rechnen?

Nach den Recherchen von Corpus Sireo, die sich auf Immobilieninserate stützen, ist der Preis für Eigentumswohnungen im Ostend von 2009 auf 2010 um 20 Prozent geklettert. Für Wohneigentum muss mit 3500 Euro pro Quadratmeter gerechnet werden (Westend 4400 Euro, Nordend 3200 Euro). Auch bei Mietwohnungen ist das Ostend Spitze. Die neuen Wohnhäuser am nördlichen Mainufer zählen nach Einschätzung des Vereins „Mieter helfen Mietern“ zu den teuersten in Frankfurt. Hier lägen Mieten deutlich über zehn Euro pro Quadratmeter.

Wie geht die Entwicklung bei den Mieten weiter?

Der neue Mietspiegel der Stadt lässt zum Beispiel im Bereich zwischen der Oskar-von-Miller-Straße und dem Mainufer Mieterhöhungen von 1,87 pro Quadratmeter zu. Im nahen Quartier rund um den Zoo, das der Mietspiegel bereits jetzt als eine „gehobene Lage“ einstuft, ist eine Anhebung von 65 Cent pro Quadratmeter zulässig.

Was treibt den Wandel voran?

Eine wichtige Ursache für den Umbruch ist nach Einschätzung der Fachleute der Neubau der Europäischen Zentralbank (EZB), der bis 2014 auf dem Gelände der ehemaligen Großmarkthalle an der Sonnemannstraße entsteht. Die Großmarkthalle musste schließen, mit ihr verschwanden billige Kneipen im Umfeld.

Welche Grundstücke sind besonders umkämpft?

Fachleute erwarten, dass sich das älteste Bordell Frankfurts, das seit 1971 bestehende „Sudfass“ am nördlichen Brückenkopf der Flößerbrücke, nicht mehr lange halten wird. Dem Besitzer Dieter Engel sind für das Areal von Projektentwicklern bereits 14 Millionen Euro angeboten worden. Es gibt Entwürfe für ein Luxushotel.

Wie ist die Lage im Einzelhandel?

Immer mehr kleine Läden müssen schließen. Nach Beobachtung der Ortsvorsteherin von Bornheim und Ostend, Ricarda Köhler (SPD), gilt das etwa an der Hanauer Landstraße. Dafür entstehen große Einkaufszentren, das jüngste ist auf dem Honsell-Dreieck nahe des Osthafens geplant.

Was wird aus dem Osthafen?

Die schwarz-grüne Römer-Koalition beteuert derzeit noch, sie wolle die gewerblichen Arbeitsplätze im Hafen gegen einen Wandel in ein Wohnquartier verteidigen. Aber der Druck wächst, viele Firmen im Hafen sind verunsichert. Am 28. September beschäftigt sich die Vollversammlung der Industrie- und Handelskammer mit der Zukunft des Osthafens.



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