MIETER HELFEN MIETERN
Frankfurt e.V.

Frankfurter Rundschau vom 08.09.2011, Jutta Ochs

WOHNEN IN FRANKFURT

Erste Welle der Mieterhöhung
Bockenheim ist ein Schwerpunkt

ADie erste Welle der Mieterhöhungen auf der Basis des seit Juni gültigen neuen Mietspiegels erfasst jetzt die Mieter. Ein Schwerpunkt scheint Bockenheim zu sein. Dort gibt es neuerdings einen Zuschlag wegen guter Lage von 1,24 Euro pro Quadratmeter. Und auch allgemein bei den Mietern an viel belebten Straßen, welche nicht mehr als verkehrs- und lärmgeplagte Durchgangsstraßen akzeptiert werden, landen nun die Schreiben zur "Neuberechnung der Miete" in den Briefkästen.

"Zunächst lief es langsam an, jetzt geht es Schlag auf Schlag", sagen die Vertreter von Frankfurter Mieterschutz-Organisationen. Vor allem der Lagen-Zuschlag, so Jens Giwitz vom Mieterschutzverein Frankfurt, treibe nun die Betroffenen in Scharen in die Beratung. "Da kommt es richtig heftig", sagt Giwitz. Nach den Erfahrungen von Sieghard
Pawlik vom Mieterverein Hoechster Wohnen kombinierten sich Lagenzuschlag und weitere neue Zuschläge auf "katastrophale Weise". In den meisten Fällen litten Mieter mit bislang eher preisgünstigen, kleineren Wohnungen.

Beispiel Franz-Rücker-Allee, Bockenheim. Für die 50er-Jahre- Wohnung berechnet der Vermieter die neuen "ökologischen" Zuschläge von 0,19 Euro pro Quadratmeter für neue Fenster nach 1990 und den für den Austausch des Heizungskessels (0,44). Darauf sattelt er den Lagenzuschlag für das neue Innenstadtgebiet II von 1,24 Euro. Der neue
Rollladen-Zuschlag (0,12) kommt noch hinzu. Im Ergebnis erhöht sich die Kaltmiete von bisher 501,83 Euro auf 592,85 Euro. Das sind 18,14 Prozent mehr, bis zu 20 Prozent in drei Jahren sind erlaubt.

Diese Grenze wird auch gerne bis zum Rand ausgeschöpft. Auf einen Schlag rund 90 Euro mehr an Miete und darüber ist derzeit kein Einzelfall. Für eine 43 Quadratmeter große Wohnung, berichtet Jürgen Lutz vom Verein Mieter helfen Mietern, soll ein Klient statt bisher 365 Euro nun 457 Euro zahlen. Gleich mehrere Fälle hat der Mieterschutzverein in der Nähe der Leipziger Straße in Bockenheim. In "schlichten Wohnungen", die bislang wegen Mängeln bei Heizung und sanitären Anlagen günstig waren, schössen jetzt die Mietpreise wegen des Lagenzuschlags in die Höhe. Die Leipziger wird nicht als verkehrsreiche und lärmgeplagte Straße akzeptiert, was einen Abschlag bedeuten würde.

Das besondere Problem der Mieterberater ist derzeit: Die Mieter kommen mit der Überzeugung, dass die Erhöhung gewiss unzulässig sei. In den meisten Fällen aber müssen die Berater sie eines Besseren belehren und auf die neue Möglichkeit des weitgehend noch unbekannten Lagenzuschlags verweisen. "Es fällt uns ziemlich schwer, das zu vermitteln." Denn in der Mietspiegelkommission, die die beiden neuen Lagen beschlossen hatte, saßen ja auch die Mietervertreter. Sie hatten die beiden teuren Innenstadtlagen zwar abgelehnt, der Spiegel ist aber dennoch beschlossen und rechtsverbindlich.

Ein weiterer Schwerpunkt der Erhöhung sind nach den ersten Erfahrungen der Mieterschützer verkehrsreiche Straßen, die der neue Mietspiegel nicht oder nicht mehr als mietmindernde Durchgangsstraßen ausweist. Dazu gehören unter anderem die Babenhäuser Landstraße, ein Stück der Eckenheimer Landstraße und der Oeder Weg.

NEUE LAGEN

Der neue Mietspiegel unterscheidet nun insgesamt fünf Wohnlagen. Ganz neu sind die beiden Innenstadtlagen I (City, Westend, Nordend) und II (Bockenheim), die mit einem Zuschlag von 1,87 und 1,24 Euro bedacht sind. Dazu gibt es weiterhin die sehr gute Wohnlage (1,02 Euro Zuschlag), die gehobene (0,65), die mittlere (ohne Zuschlag) und die einfache und sehr einfache (0,25 Euro Abschlag). Zusätzlich wurden Durchgangsstraßen markiert, die den Zuschlag etwas mindern.

Im alten Mietspiegel wurde nur zwischen drei Lagen unterschieden: Sehr gute (1,56 Euro Zuschlag), gehobene (0,61) und einfache (0,23). Die neuen Lagen sind die Hauptgründe für die gegenwärtigen Mieterhöhungen. In Quartieren rechts und links der Leipziger wird´s teuer. M. Müller


Alle Rechte vorbehalten - © Redaktionsarchiv M. DuMont Schauberg