MIETER HELFEN MIETERN
Frankfurt e.V.

Frankfurter Rundschau vom 04.07.2011, Claus-Jürgen Göpfert

WOHNEN IN FRANKFURT

Mieten im Ostend explodieren
Im Schatten des Neubaus der Europäischen Zentralbank entstehen immer mehr Luxuswohnungen. Das einstmals jüdisch geprägte Arbeiterviertel ist nun die zweitteuerste Lage Frankfurts.

Demnächst purer Luxus:
das Ostend.
Foto: FR/Boeckheler

Alarmierende Entwicklung im Ostend: Als Folge des Neubaus der Europäischen Zentralbank (EZB) nimmt der Strukturwandel dort immer rasantere Züge an. Die Verdrängung der angestammten, eher ärmeren Bewohner aus dem Stadtviertel ist „in vollem Gange“, so Jürgen Lutz, der Geschäftsführer des Vereins „Mieter helfen Mietern“.

Nach dem jüngsten „City Report Wohnen“ von Corpus Sireo, einem der fünf größten Maklerhäuser Deutschlands, stieg das Ostend im Jahre 2010 zum zweitteuersten Stadtteil Frankfurts auf. Das Nordend wurde von Rang zwei verdrängt, während das Westend an der Spitze blieb.

Corpus Sireo wertete in Frankfurt und der Rhein-Main-Region mehr als 227.000 Immobilieninserate aus Zeitungen und Internetportalen im Jahre 2010 aus. Die Recherchen ergaben „eine hohe Dynamik“ bei den Preisen von Eigentumswohnungen im Ostend: Innerhalb eines Jahres kletterten sie um 20 Prozent. Der Durchschnittspreis für Wohneigentum im Ostend lag im vergangenen Jahr schon bei 3500 Euro pro Quadratmeter. Nach dem Marktbericht ganz klar eine Auswirkung des EZB-Neubaus, in dessen Schatten immer mehr neue Luxuswohnanlagen entstehen.

Nur Westend teurer

Nur das Westend war noch teurer, mit einem durchschnittlichen Quadratmeterpreis von 4400 Euro. Im Nordend wurde ein Anstieg um sieben Prozent registriert, der Durchschnittspreis lag bei rund 3200 Euro pro Quadratmeter.

Ähnlich heftig ist die Entwicklung bei den Mieten im Ostend. Die Wohnlage zwischen der Oskar-von-Miller-Straße und dem Mainufer dürfte nach Einschätzung von Jürgen Lutz mittlerweile zu den teuersten in ganz Frankfurt zählen. Bei diesen neu entstandenen Wohnungen würden die Mieten erst bei zehn Euro pro Quadratmeter beginen. „Nach oben ist dort alles offen“, hat Lutz beobachtet.

Nach dem neuen Mietspiegel der Stadt ist in der Lage zwischen der Oskar-von-Miller-Straße und dem Mainufer noch kein Ende abzusehen. Eine weitere Mieterhöhung von 1,87 Euro pro Quadratmeter ist dort jetzt zulässig.

Auch in den Straßen rund um den Zoo wird das Wohnen immer teurer. Sie sind als „gehobene Wohnlage“ eingestuft im Mietspiegel: Die Mieten dürfen dort jetzt um 65 Cent pro Quadratmeter wachsen.

"Immer mehr Luxuslage"

„Wir beobachten diese Tendenzen mit Besorgnis“, urteilt die neue Ortsvorsteherin von Bornheim und Ostend, Ricarda Köhler. Die Sozialdemokratin ist ständig im Ostend unterwegs. Sie stellt den Verdrängungsprozess nicht nur beim Wohnen, sondern auch bei Läden und anderen Gewerberäumen fest.

„Die ganze Hanauer Landstraße wird immer mehr zur Luxuslage“, sagt sie. Früher hätten dort viele kleine, erschwingliche Läden existieren können. Sie würden jetzt aber durch Ketten, aber auch durch Hotels und durch immer neue Eigentumswohnungen ersetzt.

Der Ortsbeirat, dem Köhler vorsteht, könne nur wenig tun, um dieser Entwicklung entgegenzutreten. „Wir wollen auf jeden Fall den Osthafen und die Unternehmen dort verteidigen“, sagt sie. Darüber sei sich das Stadtteilparlament vollkommen einig.

Nicht selten würden die vielen neuen Wohn- und Büroprojekte überhaupt nicht im Ortsbeirat präsentiert. „Das ist also eine wichtige Forderung, dass wir überhaupt informiert werden“, so die Ortsvorsteherin.

Insgesamt stellt Corpus Sireo in seinem Marktbericht fest: „Wohnraum in Frankfurt wird knapp.“ Während die Stadt immer weiter wachse und immer neue Menschen nach Frankfurt drängten, sei die Zahl der angebotenen Eigentumswohnungen insgesamt zurückgegangen. 2010 wurden nach diesen Recherchen in der ganzen Stadt noch 5500 Eigentumswohnungen offeriert – das waren 19 Prozent weniger als 2009.