MIETER HELFEN MIETERN
Frankfurt e.V.

Frankfurter Neue Presse vom 25.03.2011

Neuer Mietspiegel: Durchschnittspreis erhöht sich auf 7,78 Euro pro Quadratmeter

Miete steigt um 4,4 Prozent
Vertreter von Mietern und Vermietern haben sich gestern auf einen neuen Mietspiegel geeinigt. Er sieht im Vergleich zum zwei Jahre zurückliegenden Zahlenwerk durchschnittliche Preissteigerungen von4,4 Prozent vor.

Frankfurt. 3300 Mieterhaushalte wurden für den Mietspiegel befragt und erstmals auch 1200 Vermieter. Nach Auswertung der Angaben ist die durchschnittliche Nettokaltmiete gegenüber dem 2009 verabschiedeten Zahlenwerk von 7,45 auf 7,78 Euro gestiegen. Der neue Mietspiegel soll bis Ende Mai veröffentlicht werden und gilt rückwirkend vom 1. Juni 2010 an. Eine Mieterhöhung aufgrund des neuen Mietspiegels ist frühestens ab Ende August möglich. Und auch dann nur, wenn die Miete 18 Monate lang stabil geblieben ist.
Neu am Mietspiegel ist, dass er sechs unterschiedliche Baualtersklassen ausweist und damit stärker als bisher differenziert bisher waren es nur vier Altersklassen. Statt bisher drei gibt es nun vier Wohnlagen: Eine einfache, eine mittlere, die gehobene und die sehr gute Wohnlage. Dazu kommen zwei neue Zuschläge aufgrund der Lage. Wie Mark Gellert, Sprecher des zuständigen Planungsdezernenten Edwin Schwarz (CDU), betonte, habe die Auswertung der Daten eindeutige Belege geliefert, dass Teile der Innenstadt, des Nordends und Sachsenhausens ein deutlich höheres Niveau als die Randlagen aufweisen. Zuschläge gibt es auch für restaurierte Altbauten. Eine erstmals eingeführte energetische Komponente spielt keine Rolle. Vermieter können auch hohe Mieten für Wohnungen verlangen, die nicht auf dem neusten Stand der Technik sind, lautet die Schlussfolgerung.
Planungsdezernent Schwarz zeigte sich mit dem Mietspiegel zufrieden: Aus meiner Sicht ist es vorbildlich gelungen, den Prozess transparent zu machen. Der Mietspiegel soll ja die tatsächliche Marktsituation möglichst genau darstellen, nicht die Wünsche und Vorstellungen einzelner Marktakteure.
Genau diese Aufgabe erfüllt das Papier laut Rudolf Ridinger nicht. Ridinger ist Vorstandssprecher des Verbandes der Südwestdeutschen Wohnungswirtschaft (VdW Südwest). Der Mietspiegel leide daran, dass die Marktvielfalt nicht abgebildet werde. In den meisten Städten werde diese Vielfalt durch Mietenspannen abgebildet, in Frankfurt halte die Stadt hingegen an dem Ausweis von exakten Miethöhen fest. Durch die Methodik der Mittelwertbildung würden die Mieten faktisch nach unten gedrückt. Ridinger lehnte daher in der Kommission den Mietspiegel ab. Der zweite Vertreter des VdW südwest, Frank Junker, der auch Chef der städtischen Wohnungsbaugesellschaft ABG Holding ist, stimmte dagegen dem Zahlenwerk zu. Ich habe nichts auszusetzen an dem Verfahren. Für Ridingers Votum zeigt Junker wenig Verständnis: Ich kann den Mietspiegel nicht ablehnen, wenn mir partiell ein Ergebnis nicht schmeckt.
Jürgen Giwitz, Geschäftsführer des Frankfurter Mieterschutzvereins, enthielt sich der Stimme. Der Mietspiegel werde in Teilbereichen, insbesondere in der Innenstadt, zu gravierenden Mieterhöhungen führen. Dies werde die Vertreibung der angestammten Mieter aus ihrem Viertel verstärken. Im Gebiet zwischen Berliner Straße und Mainufer müssten die Mieter der 50er und 60er Jahre Wohnblocks mit Preissteigerungen von bis zu 1,87 Euro je Quadratmeter rechnen. Viele werden sich nach der Erhöhung ihre Wohnung nicht mehr leisten können, befürchtet Giwitz. Sein weiterer Kritikpunkt: Der neue Mietspiegel verzeichne weniger Durchgangsstraßen. So sei die Schweizer Straße nicht mehr als Durchgangsstraße klassifiziert, so dass dort Zuschläge aufgrund der Wohnlage möglich seien.
Zustimmung kam dagegen von dem Frankfurter Haus- und Grundbesitzerverein wenn auch mit Zähneknirschen, wie der Vorsitzende Jürgen Conzelmann sagte. Er kritisierte vor allem die geringe Basismiettabelle. Diese liege auf dem Niveau des Jahres 2000. tre


KOMMENTAR

Friede in der Stadt der Mieter

Die Erstellung des Mietspiegels ist in Frankfurt immer auch ein Politikum. In einer Stadt, in der nur 16,6 Prozent der Haushalte in den eigenen vier Wänden wohnen, ist die Miete der größte Brocken bei den monatlichen Ausgaben. Zwischen den Vertretern von Mietern und Hausbesitzern in der Mietspiegelkommission wurde erbittert gerungen. Gerade das uneinheitliche Abstimmungsergebnis in der Mietspiegelkommission legt indes nahe, dass das Zahlenwerk gelungen ist. Immerhin hat das Gremium ein Mehrheitsvotum abgegeben, so dass Planungsdezernent Edwin Schwarz (CDU) diesmal den Mietspiegel nicht per Magistratsbeschluss durchsetzen muss.
Die Arbeit des Bochumer Inwis-Instituts, das den Mietspiegel erstellt hat, wurde von allen Beteiligten gelobt, selbst denen, die das Regelwerk ablehnten. Es schafft Rechtsfrieden und schützt Mieter, die schon länger in ihren Wohnungen leben, vor exorbitanten Mieterhöhungen.
Für Neuvermietungen gilt der Mietspiegel ohnehin nicht. Und die gibt es in der Stadt Frankfurt, in die jährlich 35 000 Menschen zu _ aber auch wegziehen, zuhauf. Insofern können auch Vermieter auf ihre Kosten kommen. Denn immer, wenn ein Wohnung neu vermietet wird, geschieht dies zu aktuellen Marktpreisen.
Thomas Remlein

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