MIETER HELFEN MIETERN
Frankfurt e.V.

Frankfurter Rundschau vom 29.12.2010, Claus-Jürgen Göpfert

MIETRECHT

Wenn der Hausbesitzer betrügt
„Mieter helfen Mietern“ warnt vor Eigentümern, die einfach die Kaution einbehalten. Für die Vermieter sei der Betrug ein lohnendes Geschäft, denn nur etwa 20 Prozent der Betrogenen ziehen vor Gericht um ihr Recht einzufordern.

Die meisten haben Geld für ihre Wohnung hinterlegt.
Foto: FR/Arnold

Wer mit Jürgen Lutz sprechen möchte, muss hartnäckig bleiben. Denn der Geschäftsführer des Vereins Mieter helfen Mietern telefoniert nicht selten beidhändig. Viele Menschen sprechen auch hilfesuchend im Büro Große Friedberger Straße 16-20 vor. Seit der Gründung im Jahr 1986, damals noch als Selbsthilfegruppe, ist die Organisation auf 3000 Mitglieder in Stadt und Region gewachsen. Zum Jahresende macht der 56-jährige Lutz auf ein Phänomen aufmerksam, das die fünf Anwälte des Vereins zunehmend beschäftigt: Die Unterschlagung der Mietkaution durch den Vermieter.
„Wir vertreten im Durchschnitt einen Mieter pro Woche in dieser Angelegenheit vor Gericht“, sagt der Geschäftsführer. Da seine Organisation nicht alleine im Mieterschutz in Frankfurt arbeitet, schätzt der Fachmann, dass es mehrere Tausend Fälle im Jahr gibt, in denen Mietern mit ihren Vermietern Konflikte um ihre Kaution austragen.
Dies bezogen auf die Gesamtzahl von etwa 180.000 Wohnungen in der Stadt, die privaten Hauseigentümern gehören – nicht einbezogen sind dabei die 120000 Unterkünfte, die im Besitz von Wohnungsgesellschaften sind und die 50.000 Eigentumswohnungen in Frankfurt.

Große Bandbreite

Der Verein beobachtet eine große Bandbreite von Kautions-Konflikten. Immer wieder komme es vor, dass der Vermieter die Kaution bei Auszug des Mieters einbehalte „und wartet, bis er verklagt wird“. In anderen Fällen stelle sich heraus, dass die Kaution „von Anfang an nicht getrennt vom Vermögen des Vermieters angelegt war“.
Ein beliebter Trick sei auch, dass der Hausbesitzer angebliche Schäden in der Wohnung erfinde, die mit der Kaution verrechnet werden sollten. „Gerade gestern hatte ich einen Fall, da argumentierte der Hauseigentümer mit einem Schaden an der Spüle – tatsächlich war die aber schon beim Einzug kaputt gewesen und der Mieter hatte das zum Glück seinerzeit dokumentiert.“
Etliche Hausbesitzer setzten darauf, dass der Mieter nicht vor Gericht ziehe und sein Geld abschreibe, also resigniere, so Lutz. Nur bei 20 Prozent der Konflikte wehre sich der Mieter vor Gericht: „Für Vermieter ist daher der unzulässige Einbehalt der Kaution eine wirtschaftlich lohnende Strategie.“ Der Verein rät zur Gegenwehr vor Gericht. Manchmal bringe schon eine entsprechende Ankündigung einen Fortschritt.
In Fällen, in denen der juristische Weg eingeschlagen werde, sei er fast stets erfolgreich, sagt Lutz. „Wir haben den Eindruck, dass die Gerichte den Trend erkannt haben und die jeweiligen Vermieter schnell durchschauen: Die meisten Prozesse werden relativ einfach gewonnen.“

Mieter helfen Mietern, Frankfurt, Große Friedberger Straße 16-20, ist telefonisch unter 283548 zu erreichen. Sprechzeiten sind wochentags von 9 bis 13 und von 14 bis 18 Uhr.