MIETER HELFEN MIETERN
Frankfurt e.V.

Frankfurter Neue Presse vom 13.11.2009, Günter Murr

Frankfurt
Parlament schwankt zwischen Abriss und Sanierung
Keine Einigung über das Mainfeld

Ein Abriss der Hochhäuser im Niederräder Mainfeld ist immer noch nicht vom Tisch. Das Stadtparlament hat gestern Abend beschlossen, die Alternativen Sanierung oder Rückbau zu prüfen.

Die SPD im Römer hat sich bereits auf ihre Seite gestellt und beantragt, die Planungen für einen Abriss sofort einzustellen. Es müsste nur etwas für den Brandschutz und für die energetische Sanierung getan werden, sagte die SPD-Stadtverordnete Elke Sautner gestern Abend im Stadtparlament. Fahrlässig sei es, bei der Zukunftsplanung die Mieter zu übergehen. Es gibt Leute, die gerne in den Hochhäusern leben. Sie schätzen die Anonymität. Sautner wies darauf hin, dass es rund 600 Sozialwohnungen im Mainfeld gebe. Da der Wohnraum für Einkommensschwache in Frankfurt knapp sei, könnten diese nicht so einfach ersetzt werden.

Der SPD-Antrag wurde abgelehnt. Beschlossen wurde dagegen ein gemeinsamer Antrag von CDU, Grünen und FDP. Demnach soll die Gebäude im Mainfeld künftig dem besonders energiesparenden Passivhaus-Standard entsprechen egal ob neu gebaut oder saniert wird. Alle derzeitigen Bewohner können später zurückkehren, wenn sie das wünschen versprechen die Stadtverordneten. Die Zahl der Sozialwohnungen muss laut Beschluss gleich bleiben. Als vertrauensbildende Maßnahme soll unter anderem ein dritter Hausmeister eingestellt werden. Schließlich wird die vom Stadtplanungsamt angestoßene Planungswerkstatt unter Einbeziehung der Bürger fortgesetzt.
Die Niederräder Stadtverordnete Elke Tafel-Stein (FDP) bezeichnete die Aufwertung des Mainfelds als eine der wichtigsten Herausforderungen der Stadtplanung. Die Fehler des sozialen Wohnungsbaus der 70er Jahre müssten behoben werden. Es ist deshalb richtig, auch über den Rück- oder Umbau der Betonriesen nachzudenken. Die Skyline von Niederrad sei kein schöner Anblick für die Besucher der Stadt. Das Vorhaben könne richtungsweisend sein für die Sanierung anderer Hochhaussiedlungen in Frankfurt und Umgebung. Wichtig sei, dass in die Überlegungen auch die angrenzenden Gebiete Niederrads einbezogen werden.

Jochem Heumann (CDU) versprach sogar: Niederrad wird eine Perle unter Frankfurts Stadtteilen. Jeder Euro, den man noch in die alten Gebäude stecke, sei rausgeworfenes Geld. Die Leute wollen nicht mehr in 42 Quadratmeter großen Wohnungen leben. Wir wollen glückliche und zufriedene Mieter. Dazu müsse auch das Umfeld aufgewertet werden. Die Mainuferstraße wirkt heute wie eine asphaltierte Mauer.

Lothar Reininger (Linke) zeigte sich nicht überzeugt: Es sollen teure Wohnungen für die Haute Volee geschaffen werden das ist das eigentliche Motiv. Ursula auf der Heide (Grüne) hält diese Idee für abwegig. Dazu sei das Mainfeld wegen seiner Lage an der stark befahrenen Mainuferstraße, in der Einflugschneise des Flughafen und an der Kläranlage gar nicht attraktiv genug.

Vor der Sitzung hatte die Stadtverordneten noch ein Brief des Vereins Mieter helfen Mietern erreicht. Dieser warnte vor einem weiteren spürbaren Verlust im schon dramatisch geschrumpften Sozialwohnungsbestand. Preisgünstiger Wohnraum würde im Falle eines Abrisses in der Stadt noch knapper.

Mit freundlicher Genehmigung der Frankfurter Neuen Presse