MIETER HELFEN MIETERN
Frankfurt e.V.

Frankfurter Rundschau, 13.11.2009, Jutta Ochs

Frankfurt
Siedlung Im Mainfeld
Wer bleiben will, der bleibt

Für Ute Kampschulte ist die Sache ganz klar: Die Mieter des Mainfelds wollen ihre Siedlung erhalten, erwarten von der ABG Holding allerdings eine Sanierung der Hochhäuser nahe des Mains. "Eine deutliche Mehrheit" habe sich für diese Variante ausgesprochen. Und außerdem, vermerkt Ute Kampschulte, sei das doch nichts anderes als das Versprechen, das die Wohnungsbaugesellschaft als Eigentümerin der in die Jahre gekommenen Siedlung ohnehin gemacht habe. Wieso, will die Sprecherin der Mieterinitiative jetzt auch von Oberbürgermeisterin Petra Roth wissen, "wird immer viel versprochen, aber nichts gehalten?"

Fragt sich Klaus Oesterling auch. Der Fraktionschef der SPD macht das Mainfeld deswegen auch am Donnerstagabend im Stadtparlament zum Thema. Die Stadtregierung solle die Ängste der Niederräder Mieter ernst nehmen, verlangte der Oppositionelle. Vielmehr müsse die Wohnungsbaugesellschaft die Siedlung "vernünftig instandsetzen". Ob sich das Quartier dann auch, wie von der ABG gewünscht, weiter in Richtung Main entwickeln könnte, darauf bestand Oesterling, "das muss man später dann sehen". Wenn die Planung weitergegangen sei und sich das künftige Mainfeld erkennen lasse. Außer Frage stehe für ihn: Ein Abriss der Mehrfamilienhäuser aus den 70er Jahren sei "nichts anderes als eine Schnapsidee".


Die SPD, zumindest kommt Frank Junker das so vor, "ist höchst prophetisch unterwegs". Denn der Abriss sei nur eine Option für das Mainfeld, verdeutlicht der Geschäftsführer der ABG Holding - eines ihrer Tochterunternehmen betreut das Mainfeld. Nach einem Abriss könnten in dem Quartier neue Wohnungen entstehen. Das aber müsse so nicht kommen, Option zwei sei die Sanierung des Bestands. Gleichwohl verfolge sein Unternehmen das Ziel, das als schwierig geltende Wohngebiet perspektivisch "sozial verträglich zu entflechten". Vor jeder Entscheidung wolle er den von der Stadtregierung begonnenen Partizipationsprozess vor Ort abwarten. Eine erste Sitzung der Planungswerkstatt "Zukunft Niederrad" gab es Ende Oktober. Die ABG, betont Junker, "geht da ergebnissoffen ran". Das habe er zu Beginn der Diskussion über eine Sanierung des Quartiers bereits gesagt - und dabei bleibe er auch.

Und doch machte die schwarz-grüne Regierungskoalition am Donnerstagabend im Römer deutlich: Das Mainfeld bedürfe "einer ausgewogenen Bewohnerstruktur" und müsse künftig "energieeffizientes Wohnen" bieten. Das lasse sich über eine Sanierung wie durch Neubauten realisieren, mit denen sich das Quartier zum Main hin öffne.

Damit aber setzte sich die Koalition über die Interessen der Bewohner hinweg, rügt die Mieterlobby "Mieter helfen Mietern". Schließlich hätten die Betroffenen doch in einer Umfrage signalisiert, in ihren Wohnungen bleiben zu wollen. Über Anwürfe dieser Art ärgert sich Geschäftsführer Junker, schließlich habe er nie einen Zweifel daran gelassen, dass im Mainfeld bleiben könne, wer im Mainfeld bleiben wolle.