MIETER HELFEN MIETERN
Frankfurt e.V.

Frankfurter Rundschau, 04.06.2008, Claus-Jürgen Göpfert

Die Schere im Wohnungsbau
Sozialwohnungen

Die Prognose von Jürgen Lutz fällt alarmierend aus. Wenn in Frankfurt nicht endlich erheblich mehr Sozialwohnungen gebaut würden, drohe in den ständig schrumpfenden billigen Unterkünften der Stadt eine "Konzentration der Ärmsten der Armen". Der Geschäftsführer des Vereins "Mieter helfen Mietern", der seit Jahrzehnten die Entwicklung in Frankfurt kennt, sagt "neue soziale Brennpunkte" voraus.

Unstrittig ist eine Zahl: Von ehemals 70 000 Sozialwohnungen in der Stadt sind noch rund 34 000 übrig - die anderen sind aus der sozialen Bindung gefallen, die zu niedrigen Mieten verpflichtet. Doch Frank Junker, der Geschäftsführer der städtischen Wohnungs-Holding ABG, widerspricht dennoch: "Das System funktioniert."

"Mieter helfen Mietern" unterschlage, so Junker, wie viel die ABG jenseits der Sozialwohnungen für arme Menschen in Frankfurt tue. Aus dem Bestand frei vermittelbarer Wohnungen habe das Unternehmen 2007 genau 352 Unterkünfte an Bürger ohne jedes Einkommen vergeben. 261 weitere seien an Menschen mit bis zu 1000 Euro brutto Monatseinkommen gegangen, noch einmal 578 an Personen mit einem Einkommen von bis zu 2000 Euro im Monat. "Dass dieses System funktioniert, sieht man daran, dass es in Frankfurt keine Obdachlosenheime und Notunterkünfte mehr gibt", sagt Junker. Er bestreitet allerdings nicht die Angabe seines Widerparts Lutz, dass die Holding im Jahr nur etwa 100 bis 150 neue Sozialwohnungen baue. "Hinzu kommen freilich die Häuser, die in der Regie anderer öffentlicher Gesellschaften wie etwa der Nassauischen Heimstätte entstehen", bemerkt Junker.

Er weist den Vorwurf von Lutz zurück, dass die Holding hauptsächlich nur noch Eigentumswohnungen für Reiche baue - und dies auf ausgesuchten "Filetgrundstücken". "Wir kümmern uns um den Mittelstand", kontert Junker - dafür ständen etwa Projekte wie der "Sophienhof" in Bockenheim. Dort wurden 111 Eigentumswohnungen in energiesparender Passivbauweise gebaut - "gerade für Familien mit Kindern". So gelinge es, diese Klientel in Frankfurt zu halten.

Tatsächlich wachse der Eigentumsanteil unter den 353 000 Wohnungen in Frankfurt kontinuierlich, rechnet Michael Debus vom Gutachterausschuss für Grundstückswerte vor. 2002 gab es 56 500 Eigentumswohnungen, heute sind es 68 500. Insbesondere große Eigentumswohnungen seien gefragt: "Die Durchschnittsgröße von Neubauten in Frankfurt liegt bei 110 Quadratmetern".

Es werden in Vierteln wie dem Westend Spitzenpreise von mehr als 8000 Euro pro Quadratmeter für Wohn-Eigentum erzielt - der Durchschnitt lag hier 2007 bei 5860 Euro. Gestiegen sind auch die Preise für neue Eigenheime: In nachgefragten Quartieren wie Kalbach lagen sie 2007 bei durchschnittlich 365 140 Euro. Am unteren Ende der Skala fanden sich neue Häuser in Höchst mit einem Preis von durchschnittlich 215 000 Euro. Jürgen Lutz von "Mieter helfen Mietern" fordert, dass sich die ABG Holding vom Bau von Eigentum verabschiedet: "Da ist ein städtisches Unternehmen überflüssig."

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