MIETER HELFEN MIETERN
Frankfurt e.V.

Frankfurter Rundschau, 13.02.2008, Jutta Ochs

Quittung wird zur Kostenfalle
Mietvertragt

Beate W. ist 90 Jahre alt und steht noch mitten im Leben. Sie geht gerne selbst einkaufen, ist aktiv in Clubs für Ältere und fühlt sich gut aufgehoben in ihrer Wohnung in einer Seniorenanlage der Wohnheim GmbH in der Adalbertstraße in Bockenheim. Eigentlich. Seitdem das Schloss an ihrer Wohnungstür sich immer schlechter bewegen ließ, ist das Vertrauen in den "guten Vermieter Wohnheim" allerdings massiv gestört.

Im Herbst vergangenen Jahres meldete sie den Defekt an dem speziellen Sicherheitstürschloss. Die Wohnheim reagierte, indem sie im Oktober mit der Miete einen Betrag von 224,91 für eine Erneuerung des Schlosses von Beate W.s Mietkonto abbuchte. Beate W. war da gerade im Krankenhaus, Tochter Ilona G. aber zur Stelle. Sie machte die Abbuchung rückgängig und beschwerte sich: "Es kann nicht sein, dass meine Mutter als Mieterin damit belastet wird. Das ist eindeutig Sache des Vermieters."

Das bestätigen auch die Juristen des Vereins Mieter helfen Mieter, bei denen die 90-Jährige Rat gesucht hatte. Der Mietvertrag enthält noch nicht einmal eine so genannte Kleinreparaturklausel, nach der Mieter für Reparaturen bis zu Beträgen von 50 bis 100 Euro selbst aufkommen müssen.

Von der Wohnheim kam aber keine Reaktion auf die Beschwerde, es wurde im Dezember lediglich der Betrag erneut abgebucht. Wieder stoppte Beate W. den Einzug und wieder reagierte die Wohnheim nicht.

Im Januar erschien dann aber der Hausmeister mit einem neuen Türschloss. Nach Darstellung von Beate W. bat er sie, nach dem Einbau eine "Quittung" zu unterschreiben. Auf dieser "Quittung" aber befand sich diese Passage: "Die folgende Arbeit, inklusive Material und Firmen-Leistungen werden dem Mieter in Rechnung gestellt. Diese Leistung ist auf Wunsch vom Mieter selbst in Auftrag gegeben. Mit der Unterschrift (. . .) erfolgt die Abrechnung per Kontoeinzug."

Tochter Ilona G. findet es "ungeheuerlich", wie mit ihrer Mutter umgegangen wurde. Diese sei durch den Hausmeister regelrecht überfahren worden - um es nicht schlimmer auszudrücken. Als "richtig gruselig" empfindet sie zudem das, was die Wohnheim GmbH nun mit Schreiben vom 1. Februar als Erklärung liefert: Frau W. habe das Schloss selbst "beschädigt". Sie habe sich - und das kann bei einer solchen Sicherheitsschließanlage mit Sicherungsschein nur auf illegalem Wege geschehen - "Ersatzschlüssel" nachmachen lassen, die zu dem Defekt geführt hätten. Schlüsseldienste, die einen solchen Schlüssel kopieren, machen sich strafbar.

Eine "abenteuerliche Unterstellung", nennt das Tochter Ilona G. Beim Einzug vor zehn Jahren habe ihre Mutter zwei Schlüssel von der Hausverwaltung bekommen, etwas später noch einen dritten. Von Anfang an seien ausschließlich diese Schlüssel in Gebrauch gewesen. "Wir haben die Originalschlüssel." Der Versuch der Wohnheim, auf diese Weise ihrer Mutter die Kosten "unterzujubeln", sei schon eine "unfassbare Unverschämtheit". Dass man so mit alten Menschen umgehe, besorge sie zutiefst.

Wohnheim-Geschäftsführer Hans-Jürgen Bosinger beschreibt die Dinge juristisch als "Schadenshaftung durch Verursacher". Als Beleg nehmen er und Servicecenter-Leiter Klaus Oehm die "eindeutige Aussage" des Hausmeisters zur Ursache des Defekts. Die Juristen von Mieter helfen Mietern sprechen allerdings von einem "sittenwidrigen Geschäft" an der Haustüre, das da mit älteren Menschen getrieben werde, um diesen die Kosten "aufzunötigen".

Dabei spiele es noch nicht einmal eine Rolle, ob die Mieterin für den Defekt des Schlosses verantwortlich sei oder nicht. Es sei zu befürchten, dass dieses "bedenkliche Formular", die angebliche Quittung, häufiger verwendet werde. Jutta Ochs