MIETER HELFEN MIETERN
Frankfurt e.V.

Frankfurter Neue Presse, 21.11.2007, Andreas Haupt

Die Hansaallee 34 soll abgerissen werden, doch die Bewohner wollen nicht ausziehen

Mieter stoppen Neubaupläne

Nordend. Die Runde gibt sich kämpferisch. Im „Hansagrill“, unten an der Hansaallee 34 (ehemals Wienerwald), sind sich alle einig: Sie ziehen nicht aus. Eine Abfindung zu kassieren und sich eine neue Wohnung zu suchen, das ist für Bewohner aus der Nummer 34 keine Option. Da müsse sie der Eigentümer, der den 50er Jahre Bau zugunsten eines Neubaus abreißen möchte, schon rausklagen. „So eine preiswerte Wohnung wie diese finden Sie in der Nähe nicht“, sagt ein älterer Herr. Deshalb will er bleiben.

Auch wenn sein Zuhause zum Geisterhaus wird. „Seit zwei, drei Jahren haben die früheren Eigentümer leer werdende Wohnung nicht mehr vermietet“, erzählt eine ältere Bewohnerin. Von den 80 kleinen Wohnungen seien nur noch 37 belegt, weiß ihr Nachbar. Schön sei das siebenetagige Haus nicht, aber es sei halbwegs gepflegt, so eine Bewohnerin.

Diese Einschätzung teilt der neue Eigentümer, die Hansaallee Immobilien GmbH ganz und gar nicht. Nicht mal mehr eine Sanierung würde sich rechnen, hätten Gutachten gezeigt. Nur noch Abriss und Neubau seien wirtschaftlich, sagt der Anwalt der GmbH, Jürgen Herrlein. „Das Haus ist in einem desolaten Zustand.“ Da sei der alte Fahrstuhl, der nur auf jedem zweiten Stockwerk hält. „Der rumpelt, dass man es mit der Angst bekommt.“ Ebenso seien Wasserleitungen und Elektrokabel hinüber. „Im Wesentlichen ist seit 1951 nichts gemacht worden.“

Nach der Sanierung sollen wieder vor allem für Ältere einziehen, sagt Herrlein. „Dort soll auf dem heutigen Stand der Technik das Zusammenleben mehrerer Generationen gefördert werden.“ Der Neubau solle so groß werden wie der alte, wieder seien Ein-Zimmer-Wohnungen geplant. „Und sie sollen wieder vermietet werden.“ Auch der „Hansagrill“ soll mit. „Wir haben bereits beim Betreiber angefragt, ob er einziehen will.“

Klingt alles schön, aber die jetzigen Mieter können die Pläne nicht begeistern. Wo sollen sie während der Bauzeit hin, wie die Wohnungen im Neubau bezahlen? Also ziehen sie nicht aus. „Zu den Mieterversammlungen alle zwei Wochen kommen immer mehr Hausbewohner, die sich wehren wollen“, sagt Rechtsanwalt Jürgen Lutz vom Verein „Mieter helfen Mietern“, den die Bewohner zu Hilfe geholt haben. Lutz ruft zur Ruhe. Bisher sei die Hansaallee Immobilien GmbH noch nicht im Handelsregister eingetragen und stehe auch nicht im Grundbuch der Immobilie. Kündigen könne aber nur, wer im Grundbuch eingetragen sei. Abgesehen davon müsse ein Hausbesitzer für eine „Kündigungen wegen wirtschaftlicher Verwertung“ genau auflisten, warum eine Sanierung zu teuer ist. „Ich habe noch keine solche Liste gesehen, die vor Gericht Stand gehalten hätte.“

Lutz rät den Mietern, abzuwarten. Zumal in der Abfindungs- und Auszugserklärung, die der Eigentümer ausgebe, ein Passus enthalten sei, wonach die Abfindung nur gezahlt werde, wenn alle Mieter ausziehen. „Wer unterschreibt, muss ausziehen. Ob er allerdings das Geld sieht ist fraglich.“ Dass sein Mandant nicht offen vorgehe, bestreitet Anwalt Herrlein. Die Hansaallee Gmbh habe den Willen zur Kooperation. „Deshalb haben wir die Abfindungen doch angeboten, statt sofort zu kündigen.“ (hau)
d 80 000 Gagfah-eigenen Wohnungen. Die Auslegung der Charta ist umstritten. Die Gagfah sagt, es handele sich um "eine freiwillige Selbstverpflichtung", aus der Mieter keine Rechte ableiten könnten. Lutz widerspricht: Die Charta sei ein "rechtlich bindender Vertrag zu Gunsten Dritter". (hau)